Vortour

An einer 5 Tage dauernden Vortour nahmen 9 Personen aus der Schweiz teil. Sie begann in Vancouver BC und führte uns unter anderem auf die Copper Creek Ranch in Princton und auf die grösste privat geführte Ranch in Canada, die Douglas Lake Ranch südöstlich von Kamloops. Auf der Copper Creek Ranch werden über 400 Kühe gehalten. Es wird mit modernsten Zuchtmethoden gearbeitet (Embriotransfer, Ultraschallmessungen, DNA Profilen, etc.) Widerstandsfähigkeit, Leistungsvermögen und Temperament sind Schlüsselkriterien. Die Lage der Douglas Lake Ranch ist eine der trockensten Gegenden Kanadas und ist ca. 1’000 Meter über Meer gelegen. Zurzeit beherbergt die Ranch ca. 20’000 Rinder. Die Herde besteht aus 4’500 Hereford-Kühen, 2’500 anderen Kühen und 450 Bullen. Diese produzieren zurzeit um die 6’600 Kälber pro Saison. Jedes Jahr werden um die 1’500 Rinder für die eigene Zucht verwendet. Die Rinder sind vom Mai bis Mitte Oktober auf der Weide. Die Ranch weist zurzeit eine Grösse von ca. 200’000 Hektaren auf. Für die Ernte können je ein Silo- und Heuschnitt auf vorwiegend bewässerten Flächen produziert werden. Auch ein Aufenthalt in Banff war auf dem Programm.

Anschliessend an die Vortour fand an 2 Tagen die Konferenz in Calgary statt. Es wurden die notwendigen Geschäfte behandelt, die IG Swiss Hereford wurde in den Weltverband aufgenommen und José „Pepe“ Bonica aus Uruguay wurde zum neuen Sekretär des Weltverbandes gewählt. Die 17. Weltkonferenz ist 2016 in Uruguay. Diverse Vorträge rund um die Herefordzucht waren zu hören. Auch ein Besuch der Stampede in Calgary mit dem Chuckwagon-Rennen als Höhepunkt stand auf dem Programm. Anschliessend waren wir in Olds Alberta auf der Juniorschau zu Gast, dabei ging es vor allem darum, wie die junge Züchtergeneration (5 – 25 Jahre) die Tiere präsentierten. Tags darauf waren die besten Kanadischen Herefordzüchter mit ihren Tieren im Ring. Diese Schauen waren sehr, sehr eindrücklich, vom Ablauf, von der Präsentation und von der Qualität der Tiere her. Die Schau am Rancher Day ist nicht auf Schweizer Verhältnisse übertragbar, die Gruppen von Kühen mit Kälbern und Gruppen mit 3 Stieren vom gleichen Betrieb wurden von 3 Richtern zu Pferd beurteilt, jeder musste sein Urteil schriftlich abgeben (Pen Show). An der Abschlussveranstaltung der Konferenz nahmen rund 1000 Personen teil.

Ein Teil unserer Delegation begab sich darauf noch auf die Nachtour, die mit einem Besuch der Niagarafälle in Toronto endete. Unterwegs standen noch viele interessante Besichtigungen auf dem Programm. Die anderen Schweizer waren am folgenden Tag noch zu Besuch bei Margaret und Andy Schüpbach sowie Hans Ulrich in Claresholm Alberta. Eine spannende Betriebsrundfahrt mit vielen Erklärungen natürlich auf Schweizerdeutsch war sehr angenehm und aufschlussreich. Andy hat eine Herefordherde von rund 450 Kühen und Nachzucht. Viele Rinder und Stiere werden als Zuchttiere verkauft. Wegen der geringen Niederschläge muss viel Land bewässert werden. Wir danken der Familie Schüpbach herzlich für die Zeit, die sie für uns aufgewendet hat und das feine Nachessen

Die 16. Welt-Hereford-Konferenz war für uns Schweizer ein einmaliges Erlebnis. Die ganz anderen Relationen haben uns ins Staunen versetzt. Trotzdem kehrten wir zufrieden wieder in die Schweiz zurück. Herzlichen Dank den Kanadiern für die super Organisation und die Gastfreundschaft. 

Hans Baumann

Nachtour

Der erste Tag der Nachtour war geprägt von nicht mehr enden wollenden Raps und Gerstenfelder. Unser erstes Ziel war Moose Jaw im Bundesstaat Saskatchewan, wo wir im Tempel Gardens übernachteten. Aber zuvor stand noch der Besuch einer Hutterer Kolonie in Simmie auf dem Programm. Schon bei der Anfahrt auf die Farm fielen einem die sehr gepflegten Felder auf. Nach einer Erfrischung im Esssaal der Kolonie und Erklärungen rund um die Hutterer begleiteten uns einige Frauen in kleinen Gruppen über den Betrieb. Für uns Schweizer war es besonders interessant, sprechen die Mitglieder der Kolonie in ihrer Religonssprache doch tirolerisch, so dass wir uns sehr gut verständigen konnten. Der Betrieb hinterliess einen vorbildlichen Eindruck in Sachen Technik wie auch der Tierhaltung der sich am europäischen Massstab orientiert.

Am nächsten Morgen besuchten wir das RCMP Heritage Centre & Museum in Regina. RCMP (Königliche berittene Polizei) hier erhielten wir Einblick in die Polizeiausbildung. Anschliessend fuhren wir zur Farm von Crittenden Bros. Polled Herefords, wo uns eine beachtliche Genetik der Saskatchewan Herefordzüchter gezeigt und kommentiert wurde. Hinter der Farm stand eine Herde Herefordkühe mit ihren Kälber wie sie in Kanada gehalten werden, auf trockenem halb abgedorrtem Futter von schlechter Qualität, aber die Herefords haben mit dem keine Mühe, da sie sich auch an widrigen Bedingungen gewohnt sind und noch beachtliche Kälber produzieren .Anschliessend wurden wir mit einem BBQ Dinner verwöhnt das von den Herefordzüchtern vor Ort gesponsert wurde.

Der dritte Tag der Tour brachte uns nach Brandon, wo wir auf der RSK Farm herzlich von der Besitzerfamilie und den Züchtern aus Manitoba empfangen wurden. Hier wurde uns das Beste aus Manitoba gezeigt. Auch hier wurden uns Tiere in Gruppen gezeigt und von drei Richtern rangiert. Die Züchter scheuten keinen Aufwand um die Tiere im besten Licht zu präsentieren. Natürlich gab es auch bei RSK Farm ein Abendessen mit anschliessendem Dessertbuffet. Vielen Dank den Herefordzüchter aus Manitoba!!

Am Sonntag war der Inlandflug von Winnipeg nach Toronto. Zuvor besuchten wir aber noch das AAFC Research Center in Brandon. Dies ist eine Versuchsanstalt für Pflanzenbau und Tierernährung. Auf dem Rundgang mit dem Bus erhielten wir Einblick in die verschiedenen Versuche im Bereich Beefproduktion und Sortenversuche im Pflanzenbau. Nadine und Ron Wells waren heute unsere Begleiter. Sie führten uns nach Orangeville zu den Agricultural Society Grounds, dies ist eine Viehvermarktungsanlage mit allen nötigen Infrastrukturen. Auch die Ontario Herefordzüchter gaben sich alle Mühe uns das Beste aus Ontario zu zeigen. Jeder Betrieb stellte seine besten Tiere in Panels zur Schau. Wir Besucher hatten den Auftrag die besten acht Gruppen zu Rangieren. Das war gar nicht so einfach, hatte doch der eine drei schöne Absetzer der andere ein schönes Kuh / Kalb Gespann, wieder ein anderer einen imponierenden Bullen. Auch zeigten einige Frauen ihre Produkte in einem kleinen Bauernmarkt. Zum Mittagessen unterhielten uns drei junge Musiker mit Geige Klavier und Schlagzeug, und natürlich Stepptanz das von zwei sieben und neun Jahre alten Kinder wie Profis vorgeführt wurden. Im Anschluss besuchten wir ein Cattle Feed Lot, oder anderst gesagt einen Ausmastbetrieb von  Ochsen. Der Betrieb zeigte sich in einem sehr sauberen Erscheinungsbild, und man merkte sofort dass er Professionell geführt wird. Der Betrieb besteht aus zwei Hallen mit je etwa 1600 Ochsen die zur Fütterung nur noch ganz wenig Raufutter erhalten der grösste Anteil ist Getreide, Soja und Maiskleber. Diese Tierhaltung wäre in der Schweiz gar nicht möglich, Vollspaltenboden mit riesigem Spaltenabstand, zu viele Tiere pro Fläche (teils konnten nicht alle Tiere normal liegen). An diesem Abend war das letzte Nachtessen der Tour, das vom Kanadischen Herefordverband gesponsert wurde. Die Gesellschaft genoss diesen Abend mit vielen interessanten Gesprächen und Diskussionen.

Unser letzter Tag in Kanada galt dem Besuch der Niagarafälle. Der Reiseführer zeigte uns mit vielen Zwischenhalten die Niagara Falls von allen Seiten. Auch war eine Schifffahrt an den Fuss des Wasserfalls enthalten wo jeder die Naturgewalt des Wassers spüren konnte. Anschliessend war das Mittagessen auf dem Skylon Tower, wo wir im Drehrestaurant die Niagarafälle noch aus der Vogelperspektive sehen konnten. Allzu schnell verging die Zeit in Kanada und wir reisen mit vielen Eindrücken müde aber glücklich wieder nach Hause.

Walter Fässler