17. Welt Hereford Konferenz Uruguay 2016

17. Welt- Konferenz der Herefordzüchter in Uruguay vom 16. bis 25. April 2016

Nach einer langen Reise über London und Sao Paulo kamen wir, 2 Frauen und 3 Männer unseres Vereins, am 15. April in Montevideo an. Strömender Regen empfing uns, der Wettergott meinte es nicht sonderlich gut mit den Organisatoren der Konferenz, es war nicht der letzte Regentag. Auf der Vortour besuchten wir den Betrieb Valle Chico im Osten des Landes. 300 Zuchtkühe und ca. 800 Produktionskühe werden auf 1350 ha gehalten. Am Schluss mussten die Busse vor dem Wasser in Sicherheit gebracht werden und die Leute wurden mit Pick-Ups über die Weiden zu den Bussen gebracht, unvergesslich! Punta del Este am Rio de la Plata und am Atlantischen Ozean ist die Feriendestination in Uruguay schlechthin. Jetzt im Spätherbst war sie fast ausgestorben.

Die eigentliche Konferenz begann am Montag mit dem Besuch auf der Bullen-Teststation. Der Besuch eines weiteren Betriebes am Nachmittag musste wegen Überschwemmungen abgesagt werden. Am Dienstag war eine Pen Schau auf dem Programm, leider auch ziemlich nass, die Züchter liessen sich aber nicht beirren und zeigten sehr schöne Tiere. Mittwoch und Donnerstag waren mit Meetings, Länderrapporten und vielen Vorträgen technischer Natur gefüllt. Wer wollte konnte auch auf eigene Faust Montevideo erkunden. Am Freitag war die grosse Schau mit sehr vielen weiblichen und männlichen Tieren in ausgezeichneter Qualität. Die Tiere präsentierten sich in einer mittleren Grösse, waren gut gefüttert und sehr gut vorbereitet. Am Abend beim Gala Dinner überreichten wir den Gastgebern eine Uhr, was mit einem Schmunzeln quittiert wurde weil man in Uruguay die Zeit nicht immer so ganz genau nimmt.

Nun trennten sich unsere Wege, ich ging mit auf eine Besichtigungstour ins Landesinnere, die übrigen waren auf der anderen Tour in den Westen von Uruguay.

Samstag bis Montag standen 4 Betriebe auf dem Programm. Las Anitas hat 350 Zucht- und 1600 Produktionskühe, 9 -10 Zuchtstiere und ein traditionelles Ausmastsystem auf der Weide. El Paraiso besteht bereits seit 1916 in 5. Generation. 3500 ha, 1200 Kühe und 2500 Schafe, 300 ha wurden aufgeforstet mit Eukalyptusbäumen, die nach 25 - 30 Jahren geerntet werden. El Baqueano besitzt 2800 ha, 350 Zucht- und 600 andere Kühe, Schafe und eine bekannte Pferdezucht. Auf diesem Betrieb waren wir am Abend zu einem traditionellen Asado, einem Grillabend, eingeladen. Der Betrieb ist mit grösseren Fahrzeugen nicht erreichbar, wir mussten auf Kleinbusse umsteigen. Auf dem Betrieb San Jose del Yaguari wurden wir von einer grossen Delegation des Betriebes mit Pferden und in Trachten empfangen. 350 Zuchtkühe gehören zum Betrieb, gezeigt wurden über 500 Tiere verschiedenen Alters und Abstammung. Die Zucht wurde 1948 gegründet und es wurden bis jetzt über 10 000 Zuchtstiere verkauft.

Die westliche Tour führte Walter und Heidi sowie Markus und Manya über rund 1400 km auf fünf Haciendas. Auf den verschiedenen Betrieben wurde uns jeweils eine grosse Auswahl von Zuchttieren vorgeführt. Von Kälbern aus Embryotransfer über Rinder, Jungstiere zu Zucht- und Produktionskühen sowie Zuchtstieren war alles da. Es waren eindrückliche Tiere und man sah die unterschiedlichen Zuchtlinien, die den natürlichen Gegebenheiten angepasst waren. Im Nordwesten ist das Futter gemäss unserer Einschätzung qualitativ weniger gut als im Südwesten, wo auch Ackerbau betrieben wird. Leider war das Wetter teilweise ein Spielverderber, so dass die Tiere meist auf morastigem Untergrund vorgeführt werden mussten. Einige Male stoppte der Bus auf der grösseren Strasse und wir wurden auf Allradfahrzeuge umgeladen, damit wir überhaupt auf die Betriebe konnten. Wenn es nicht regnete fuhren wir auf dem Pick-Up mit, ansonsten waren wir froh um einen Sitzplatz im Auto. Abenteuerfeeling war angesagt, da die Strassen bei Regen doch recht rutschig waren und Teerbelag nur auf den grossen Hauptstrassen ein Thema war.
Auf allen Betrieben wurden wir sehr herzlich empfangen und es gab immer viel zu essen, vor allem Brot, welches mit viel Fleisch und etwas Gemüse gefüllt wird. Wir gewöhnten uns auch recht schnell daran, dass zuerst ein reichlich gefülltes Glas Whisky (Nachschub jederzeit möglich!) und zum Essen der Rotwein "Tannat", welcher im Süden von Uruguay angebaut wird, aufgetischt wurde. Die servierten Süssigkeiten zum Dessert waren auch nicht von schlechten Eltern und so musste niemand Hunger leiden!

Ein spannender und sehr gut organisierter Anlass ging zu Ende und teilweise mit Umwegen kamen alle wieder zurück in die Schweiz.

Text: Hans Baumann, Markus Würsch

Bilder: Markus Würsch  

Einige Daten zu Uruguay

  • 176 000 km2 (CH 41 285 km2)
  • Höchster Punkt 514 m. ü. M., nur 10 % sind über 200 m. ü. M.
  • Mit etwas mehr als 1000 mm Niederschlag übers ganze Jahr verteilt ist das Land sehr fruchtbar.
  • 3,5 Mio. Einwohner davon 1,5 Mio. in der Hauptstadt Montevideo
  • 11 Mio. Rinder, rund 6 Mio. Herefords.
  • 500 Herefordzüchter, 40'000 registrierte Herefordzuchttiere
  • Ein Merkmal der Landwirtschaft in Uruguay ist die sehr extensive Bewirtschaftung, (extensiv im Sinne von wenig Bodenbearbeitung, geringer Einsatz von chemischem Pflanzenschutz, Dünger etc., allgemein geringer Einsatz von Kapital und Technik). In der Viehwirtschaft bzw. Rindfleischproduktion herrschen vor: Weidegang auf Naturweide, grosse Koppeln, keine Zufütterung. So liegt Uruguay in der Agrarproduktivität (Fleisch/ha, Getreide/ha) zurück hinter ähnlich Agrarexport-orientierten Ländern wie Australien, Neuseeland, Brasilien. Andererseits sucht das Land, zukünftig genau hier eine Nische zu besetzen und seine Agrarprodukte unter dem Aspekt der Naturbelassenheit zu vermarkten.
  • Uruguay hat mit 98 Prozent eine der höchsten Alphabetisierungsraten Südamerikas. Uruguay gehört zu den wenigen Ländern, in denen der Schulbesuch sowie der Besuch von Hochschulen und weiterführenden Bildungseinrichtungen unentgeltlich sind. Uruguay soll das erste Land der Welt sein, das jedem Kind einen Laptop zur Verfügung stellt.
  • Mate-Tee wird überall und zu jederzeit getrunken. Dazu wird ein Trinkbecher mit gemahlenen Mate-Blättern gefüllt und mit heissem Wasser übergossen. Die Flüssigkeit wird dann über ein Metallrohr "getrunken". Der Becher wird auch unter Freunden herumgereicht und jeder darf einen Schluck nehmen. Der Thermoskrug wird unter dem Arm eingeklemmt und scheint dort "angewachsen" zu sein.

Dieses Video zeigt eine Zusammenfassung der Konferenz auf dem Tierschau-Gelände in Montevideo: https://www.youtube.com/watch?v=G7xHfr1I4mU 

Der Schweizer Länderrapport: https://www.youtube.com/watch?v=S9W2Gl0Zd1s

Hier zwei Videos von den Betrieben Sociedad Ganadera San Salvador und La Elisa. Die beiden Betriebe wurden von uns im Rahmen der Nachtour besucht:
https://www.youtube.com/watch?v=UOxvR-fGyO8&feature=youtu.be und https://www.youtube.com/watch?v=ZRiE8GUXMls

Hier eine fotographische Zusammenfassung unserer Reise:

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